VR-Landwirtschaftstag: Auf dem Weg zur Digitalisierung haben Landwirte in MV die Nase vorn

Güstrow. Landwirtschaft 4.0 zwischen Elbe und Oder: Auf dem Weg in die Digitalisierung haben die Bauern in MV die Nase vorn. Bei der Nutzung der Technologie sei die größer strukturierte Branche im Norden deutlich weiter als die eher kleineren Betriebe im Süden, sagte Branchenexperte Klaus-Herbert Rolf vom Agrarsoftware-Entwickler 365FarmNet gestern beim VR-Landwirtschaftstag in Linstow nahe Krakow. Die Unternehmen in MV seien auf einer Höhe mit den Top-Standorten in Deutschland und Europa. Viele Betriebe seien digitalisiert. Erfasst würde etwa, wie viele Schritte ein Kuh gehe, welche Körpertemperatur sie habe oder wo sie sich aufgehalten habe. Nutzen bringe die Digitalisierung aber erst, wenn die Daten auch miteinander vernetzt würden, sagte Rolf.

Mit Bits und Bytes auf dem Acker: Mit der Digitalisierung lasse sich die Landwirtschaft effizienter und verträglicher organisieren, meinte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). So könnten Wetterdaten besser genutzt oder die Ausbringung von Dünger optimiert werden. Auch könne die Digitalisierung helfen, das Fachkräfteproblem zu lindern. Angesichts fehlender Fachleute müssten die Betriebe auch mit weniger Arbeitskräften auskommen, sagte Bauernpräsident Detlef Kurreck. Die neue Technologie kann unterstützen, diesen Mangel auszugleichen. Mit der Digitalisierung ließen sich auch die Erzeugungs- und Verfahrenskosten senken, meinte Kurreck. Angesichts der zu erwartenden Beihilfekürzung bei der Neuordnung der EU-Agrarförderung ab 2020 seien die Betriebe darauf angewiesen. Experten gehen davon aus, dass auf den Agrarsektor Beihilfekürzung von etwa zehn Prozent zukommen. Allerdings: Trotz Digitaltechnologie im eigenen Betrieb – auf der Datenautobahn geraten Bauern und Nutzer vor allem in den ländlichen Regionen zu oft in den Stau. Größte Hürde auf dem Weg zur Digitalisierung der Landwirtschaft seien die schlechten Internetverbindungen, kritisierte der Bauernverband. In den Dörfern fehle es oft an leistungsfähigen Netzen. Auch reiße das Mobilnetz zu oft ab, als dass entsprechende Dienste auf dem Acker genutzt werden könnten. Inzwischen sei in MV aber damit begonnen worden, massiv in den Ausbau der Datennetze zu investieren, begrüßte Landwirtschaftsminister Backhaus entsprechende Investitionen. Gestern hatte der Landkreis Ludwigslust-Parchim als zweite Region in MV mit dem von Bund und Land geförderten Breitbandausbau begonnen.

Surfen im Kuhstall: Angesichts der Informationsflut mehren sich bei den Bauern aber auch die Sorgen um die Datensicherheit. Die müsse sichergestellt sein, forderte Kurreck. Die Daten seien wertvoll: „Da reicht es nicht mehr, ein Vorhängeschloss anzubringen.“ Vor allem müssten die Landwirte die Hoheit über ihre Daten behalten. Dazu bedarf es klarer Regeln, forderte der Bauernpräsident. Zugleich warnte Software-Experte Rolf vor zu hohen Anforderungen beim Umgang mit Daten: „Das wäre das Ende der Digitalisierung.“

Torsten Roth

Fotos: PVR e.V.

Bild 1: (von links) Ronny Bauch (Volksbanken Raiffeisenbanken), Dr. Simon Schlüter (Leiter DBV Büro für internationale Beziehungen Brüssel), Detlef Kurreck (Präsident Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern), Dr. Heike Müller (Vorsitzende Landfrauenverband Mecklenburg-Vorpommern), Stephan Weber (Geschäftsführer Fleischwerk EDEKA Nord), Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern), Dietrich Holler (Moderator), Klaus-Herbert Rolf (365FarmNet), Dieter Heidenreich (Sprecher der Volksbanken Raiffeisenbanken Mecklenburg-Vorpommern)
Bild 2: Dietrich Holler (Moderator), Dr. Simon Schlüter (Leiter DBV Büro für internationale Beziehungen Brüssel), Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern), Detlef Kurreck (Präsident Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern)