Landwirtschaftstag in Linstow offenbart akute Finanzprobleme im Agrarsektor

Güstrow (SVZ) Drei schlechte Ernten in Folge haben bei den Landwirtschaftsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern massive Spuren hinterlassen. In vielen Betrieben seien die Kassen nahezu leer, hieß es gestern auf dem Landwirtschaftstag, den Volks- und Raiffeisenbanken gemeinsam mit dem Landesbauernverband in Linstow abhielten. Nach Einschätzung von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) steckt ein Drittel der Agrarbetriebe tief in den roten Zahlen, ein Drittel sei finanziell angeschlagen, könne aber fortbestehen, und lediglich ein Drittel sei wirtschaftlich gesund, meinte der Minister auf der Tagung vor etwa 400 Landwirten.

„Nach den wiederholten Missernten der Vergangenheit trennt sich gegenwärtig die Spreu vom Weizen. Nur gut aufgestellte Unternehmen mit hoch qualifizierten Mitarbeitern haben längerfristig eine Überlebenschance“, konstatierte VR-Bankvorstand Dieter Heidenreich.

Angesichts der nun beginnenden Frühjahrsbestellung fehle in vielen Betrieben selbst das Geld für Saatgut und Düngemittel. „Wir werden auf Antragstellung mit Betriebsmitteldarlehen unbürokratisch unterstützen“, sicherte der Bankvorstand den Betroffenen Hilfe zu.

Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck machte zudem darauf aufmerksam, dass die zuletzt enorm gestiegenen Bodenpreise dazu führen, dass die Erträge nicht ausreichten, um die Kosten für den Flächenkauf zu decken. Erschwerend kommt hinzu, dass neben den Ertragsmengen auch die Erlöse für Getreide und andere Kulturen deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. „Anderswo in der Welt wurden Superernten eingefahren. Hohes Angebot, geringer Preis. Der Markt folgt seinen Gesetzen“, erklärte Kurreck. Als Folge hätten einige Unternehmen die Produktion komplett aufgegeben. Diskussionsthema war auch die Entwicklung der Milchpreise. Landwirtschaftsminister und Bauernpräsident hatten gefordert, existenzsichernde Preise für die Produkte der Landwirte anzustreben. „Wir brauchen kostendeckende Rohstoffpreise und die Welt wäre in Ordnung“, sagte Backhaus. Kurreck beklagte die Flut von Verordnungen, Auflagen und Beschränkungen. „Wir finden viel zu hohe Hürden vor. Ob es im Baurecht, auf dem Gebiet des Tierwohls oder bei der aktuellen, völlig unverständlichen Nachbesserung der gerade beschlossenen Düngeverordnung ist“, kritisierte er.

Ein Streitgespräch entwickelte sich zwischen Henning Helms, einem Landwirt aus Jördenstorf, und Markus Mühleisen, Geschäftsführer der Arla Foods Deutschland GmbH. Mühleisen verkündete den gerade gefassten Beschluss des Aufsichtsrates, den gesamten Nettogewinn von 2018 den Genossenschaftsmitgliedern auszuzahlen. Er warb darum, für die Entwicklung neuer Produkte und für Investitionen Rücklagen zu bilden.

Diese Aufgabe mache auch vor den Landwirten nicht halt, sagte Helms. Der Milchbauer bewirtschaftet 500 Hektar und hat in den Ställen 400 Kühe und 350 Nachzuchttiere zu stehen. 2018 sei nicht das schlechteste Jahr für Milchbauern gewesen, räumte er ein. Davor aber sei es in vielen Betrieben ans Eingemachte gegangen. Sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung sei ein Rückgang der Milchproduktion in den neuen Ländern gewesen. „Speziell im Norden brauchen wir mehr Wettbewerb unter den Molkereien. Zurzeit schaffen wir es einfach nicht, mit den Molkereien auf Augenhöhe zu verhandeln. Wir müssen nehmen, was wir kriegen“, beklagte er

Christian Menzel und Jürgen Drewes

Fotos: PVR