Azubi-Suche gleicht einer Jagd

59 Unternehmen stellten sich beim 23. Berufsstartertag in Parchim vor und warben um das Interesse der jungen Leute

Parchim (SVZ) Zur 23. Auflage des Berufsstartertages hatten AOK Nordost und VR Bank Schwerin als Veranstalter erneut in die Parchimer Stadthalle eingeladen. Bis zur Halbzeit um elf Uhr wurden am Samstag mehr als 130 Besucher gezählt. Darunter auch etliche Eltern, die mit ihren Sprösslingen gemeinsam nach dem künftigen Traumjob suchten. Ihnen allen boten sich 59 Aussteller dar. Die Zahl der Besucher und Aussteller lag damit durchaus auf der Höhe der Vorjahre und dokumentierte die ungebrochene Attraktivität dieser Orientierungsmesse.

Vorbei sind die Zeiten, als sich noch ganze Schulklassen pflichtgemäß an den Informationsständen vorbei schoben und Tragetaschen voller Firmenprospekte sammelten. Gezielt informieren lautet die aktuelle Devise. Die AOK Nordost kam diesem Trend entgegen und hatte im Foyer der Stadthalle elektronische Zugänge zu ihrem Job-Kompass eingerichtet. Der ist per Smartphone, Tablet oder PC erreichbar. Mit wenigen Fragen sind Vorlieben, Interessen und Anlagen künftiger Azubis ausgelotet, und sogleich kann der entsprechende Anbieter gezielt aufgesucht werden. Die Suche nach Auszubildenden kommt inzwischen fast einer Jagd gleich. Die Schulen liefern nicht nur immer weniger Absolventen. Auch das Niveau der Schulabgänger habe sich reduziert, die Ausbildungsreife lasse zu wünschen übrig, bemängeln gleichermaßen Betriebe, Industrie- und Handels- oder Handwerkskammer und die Innungen. „Manchmal müssen wir erst zu Pünktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit und Ehrlichkeit erziehen, bevor wir zum Fachlichen kommen können“, klagte ein Ausbilder, der ungenannt bleiben wollte. Der Altersdurchschnitt der Belegschaften steige zusehends.

Neue Trends auf dem Ausbildungsmarkt: Um für junge Leute attraktiv zu sein, setzt die VR Bank bei ihren Ausbildungsangeboten darauf, dass sich damit ehrenamtliches oder freizeitorientiertes Engagement gut vereinbaren lassen. Mit Robert Berten (Rückennummer 13) und Jan Grolla (5) hat Verena Janocha aus rund 30 Bewerbungen zwei Auszubildende rekrutiert, die als aktive Handballer bei den Schweriner Stieren eng in den Trainings- und Spielbetrieb der 3. Liga eingetaktet sind. „Mit den normalen Arbeitszeiten einer Bank wäre das Training unvereinbar“, hat die VR-Personalleiterin gern Zugeständnisse gemacht.

Horst Kamke

Beitrag von TV Schwerin