EU hilft Landwirten nicht

Landwirtschaftstag Linstow: Trotz niedriger Preise für Milch, Fleisch und Getreide kaum Hoffnung für Bauern

(SVZ) Rostock Die Bauern können in der derzeitigen Krise nicht auf schnelle Hilfe von der EU hoffen. „In Brüssel wird langfristig Politik gemacht und das Budget ist bis 2020 festgelegt“, sagte der Agrarhandelsexperte der EU-Kommission Willi Schulz-Greve gestern auf dem Landwirtschaftstag in Linstow (Landkreis Rostock).

Konzern will Nachhaltigkeit fördern

Hoffnung auf Unterstützung kam aber vom Lebensmitteleinzelhandel. Die Aktion „Tierwohl“, bei der Nutztierhalter Geld für tiergerechtere Produktion erhalten, soll fortgesetzt werden, sagte Mitinitiator Ludger Breloh von der Rewe Group. Ob die Summe von bisher 85 Millionen Euro im Jahr erhöht wird, wie die Bauern fordern, ließ Breloh aber offen. Sein Konzern, der 52 Milliarden Umsatz im Jahr mache, will auch Nachhaltigkeit in der Agrarproduktion stärker fördern.

Die Bauern beklagen seit Wochen zu niedrige Preise bei Milch, Schweinefleisch und inzwischen auch bei Getreide. Die Tagung mit rund 500 Gästen wurde von den Volks- und Raiffeisenbanken organisiert, die zu den wichtigsten Kreditgebern der Agrarbranche gehören.

Der Agrarwissenschaftler Harald Grethe empfahl den Landwirten, sich viel schneller auf eine zielorientierte Förderpolitik umzustellen. Beispiele seien Tierschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Wenn am jetzigen „Gießkannenprinzp“ der direkten Zahlungen festgehalten werde, setze man in ein paar Jahren die gesamte Agrarförderung aufs Spiel. „In 20 Jahren können Sie keinem mehr sagen, dass es Direktzahlungen geben soll.“

Verbände sind pessimistisch

Mecklenburg-Vorpommerns Bauernverbandspräsident Rainer Tietböhl und Landesagrarminister Till Backhaus (SPD) sehen derzeit kein Ende für die Probleme der Landwirte. „Wir müssen mehr auf Qualität setzen“, sagte Backhaus. „Die Politik hat uns mit Russland einen Markt weggenommen, deshalb soll sie uns entschädigen“, forderte Tietböhl. Für die Autoindustrie habe es in der Krise ja auch eine Abwrackprämie gegeben. Und nun werde sogar über eine Elektroautoprämie nachgedacht.

Winfried Wagner