Das Image vom coolen Bauern

Hochkarätige Runde diskutierte zum 10. VR-Landwirtschaftstag in Linstow über Zukunftsperspektiven in der Landwirtschaft

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(SVZ) So stürmisch wie das Wetter gestern zum Landwirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken muss man sich wohl auch die derzeitige Lage der Branche vorstellen.
Sie kämpft um ihr gutes Ansehen innerhalb der Bevölkerung, mit den Folgen der Digitalisierung und nicht zuletzt der europäischen Agrarpolitik. Um dieses Spektrum von Themen sollte es in einer Gesprächsrunde mit Vertretern aus Politik, Banken, EU und der Praxis drehen.

So erklärte Jörg Haase, Landwirt aus Gadebusch, gleich zu Beginn der Runde, wie demotivierend es für ihn sei, sich täglich rechtfertigen zu müssen. „In Gadebusch gab es früher nur Bauern. Da sollte es doch normal sein, Flächen zu bestellen und zu pflegen.“ Stattdessen müsse er in der Zeitung lesen, dass er wieder Pestizide versprüht hätte, „obwohl niemand wusste, was tatsächlich in der Düse war.“
Deutschlands Bauern fühlen sich in großen Teilen von den Verbrauchern und der Presse gehörig missverstanden. Sie leiden unter dem Eindruck, schlimme Umweltsünder und
herzlose Tierquäler zu sein.

Um ihr Image jedoch verbessern zu können, müssen sie transparenter und öffentlicher werden – wie Agrar-Blogger und Schweinewirt Marcus Holtkötter. Er hat die sozialen Medien für sich entdeckt. „So haben wir Bauern endlich die Möglichkeit, Dinge richtigzustellen und sind der Zeit voraus, statt hinterher zu hinken“, erklärt er. Seinem Vorbild folgen bisher jedoch die wenigsten, wie eine Befragung der 400 Gäste aus der Branche zeigte. Zwar besitzt der Großteil Smartphones, auf Twitter und Facebook sind aber nur eine Handvoll aktiv. „So bleiben wir abhängig von der Berichterstattung anderer.“ Eine zusätzliche Chance, die sich durch mehr Öffentlichkeit bietet sei es, das Bild der Landwirte aufzubessern. „In den USA zum Beispiel gelten Bauern als total cool, während sie hier nur als ,Bauer sucht Frau’-Idioten dargestellt werden“, beklagte Holtkötter.

Doch nicht nur die Reputation ist problematisch. Auch die vielen Richtlinien seitens der Politik stellen manchmal ein Ärgernis dar. Holtkötter: „Die Politik wünscht sich von uns eine Bilderbuch-Landwirtschaft aus dem Jahr 1960. Doch in so einem Stall möchte ich definitiv nicht arbeiten.“ Denn durch die Digitalisierung würden die Arbeit erleichtert und die Effizienz erhöht werden. Probleme gäbe es hier aber in Sachen Datensicherheit.

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Bauer Haase sprach sich kritisch gegen die Idee des gläsernen Landwirtes aus und forderte, „die Selbstständigkeit sollte erhalten bleiben“. Transparenz in der Landwirtschaft sei gut, Gläsernheit nicht. Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes MV, bekräftigte dies: „Wir brauchen eher mehr, statt weniger Innovation. Aber die rechtlichen Grundlagen sollten dafür im Voraus geklärt werden.“ Er forderte zudem, dass die Arbeit auf dem Feld sich wieder lohnen müsse – wofür auch die Politik mitverantwortlich sei. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sprach sich für einen rapiden Bürokratieabbau und gegen Diskriminierung der Landwirte aus. „Wann passiert das mal bei den Automobilbauern oder Juristen?“ Entscheidend sei es, den offenen Dialog zu suchen und Probleme anzusprechen. Optimistisch könnten die Bauern – in diesem Punkt war man sich einig – in die Zukunft blicken. So gab es nach der Runde außer gutem Wetter vielleicht auch die eine oder andere Sorgenfalte weniger unter den Gästen.

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